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Zeitreihen zum Geldumlauf in Deutschland 1870-1913

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DataCite Commons2025-12-02 更新2025-04-15 收录
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https://search.gesis.org/research_data/ZA8230?doi=10.4232/1.8230
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In der vorliegenden Untersuchung stellt Richard H. Tilly Datenmaterial zur gesamten geldwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands zusammen. Dabei handelt es sich um eine Fragestellung, die die Einheitlichkeit geld- und güterwirtschaftlicher Aspekte des Wirtschaftswachstums unterstreichen soll. Der vorgestellte Taxonomie des Geldumlaufs ist nicht als Versuch zu verstehen, in einer einzigen Variablen - wie die Geldmenge - eine neue und bessere Erklärung des deutschen Industrialisierungsverlaufs zu sehen, sondern als Versuch, den Anfang einer systematischen Beschreibung des monetären Sektors zu machen, damit dieser Sektor systematischer als bisher in Beziehung zum realökonomischen Geschehen gesetzt werden kann. Zentrale Ergebnisse der Studie:In Deutschland hat sich die Geldmenge im engeren Sinne 1870 bis 1913 etwas mehr als verfünffacht, das Nettosozialprodukt (in laufenden Preisen) nicht ganz verfünffacht (NSP nach W.G. Hoffmann, 1965, Tabelle 122, S. 505-509). Legen wir unserem Vergleich eine weitere Definition der Geldmenge zugrunde, (d.h. unter Mitberücksichtigung der Sparkassen, Kreditgenossenschaften etc., Version II), so stellen wir für denselben Zeitraum für Deutschland einen Steigerungsfaktor von ca. 9,5 fest. Das deutet auf die bemerkenswerte Tatsache hin, dass in Deutschland ausgesprochene Spareinlagen eine weitaus größere Bedeutung als Form der Vermögenshaltung hatten.Trotz signifikanter Strukturunterschiede zwischen Deutschland und den UISA 1870 -1913 kann behauptet werden, dass in beiden Ländern ein starkes Wirtschaftswachstum von einem starken Anstieg der Geldmenge begleitet worden ist. Rapides Wirtschaftswachstum und monetäres Wachstum scheinen also Hand in Hand gegangen zu sein.Der säkulare Wachstumstrend wurde mehrfach durch Schwankungen unterbrochen, an denen auch der Zusammenhang Geldmenge – Gesamtwirtschaft deutlich gesehen werden kann. Unsere Tabellen und Schaubilder zeigen einen deutlichen Trendumbruch in den 1890er Jahren. Die erste Periode (abgesehen von den ‚Gründerjahren’ 1870-1873) war durch ein fallendes bis stagnierendes Preisniveau, ein langsam wachsendes Einkommen und eine langsam wachsende Geldmenge gekennzeichnet, ist auch daher mit Recht als ‚Große Depression’ bezeichnet worden. In der zweiten Periode zeigte Deutschland ein fast umgekehrtes Bild, mit einer stark wachsenden Geldzirkulation, stark steigenden Preisen, und schnellem Wachstum des Volkseinkommens. Die ‚Große Depression’ wurde von der Krise von 1873 eingeleitet. Nach unseren Daten war sie staatlicherseits zunächst von einer Geldvernichtung verschärft, und dann von einer unzureichend monetären Expansion prolongiert worden. Das Bild der Geldkonjunktur der 1870er und 1880er Jahre ist zum Teil von den gewählten Definitionen der Geldmenge abhängig. Auch die Schrumpfung 1873-1878 zeigte eine ähnliche Relation. 1878-1885 ist jedoch das staatliche Bremsen noch deutlicher (…) eine wesentliche Änderung der o. a. Interpretation der geldpolitischen Rolle des Staates wird aber hierdurch n i c h t bewirkt.Unterstellt man dem Staat eine Konjunktur stabilisierende Verantwortung - was sicherlich eine unhistorische aber dennoch möglicherweise lehrreiche Unterstellung wäre - so scheint sein Verhalten nur mit mangelnder Information oder dem Glauben an der „Gesund-Schrumpfen-Theorie´ der Konjunkturpolitik erklärbar zu sein. Man darf freilich den Schwierigkeitsgrad der neuen wirtschaftspolitischen Aufgaben nicht unterschätzen. Die Freigabe der Konzessionierung von AG.´s 1870 hat zu einer starken Gründungswelle vor allem im Bankensektor geführt; Mittel und Wege zur Steuerung ihrer Aktivität mußten gefunden werden. Gleichzeitig war man in diesem Zusammenhang dabei, Zentralbankfunktionen einer neuen Institution (der Reichsbank) zu übertragen, und eine neue Goldwährung einzuführen. Darüber hinaus war das stark ausgebaute Eisenbahnnetz Deutschlands nunmehr nach 1874 sanierungsbedürftig geworden. Und schließlich war die wirtschaftspolitische Energie des Staates auf die Frage der Handelspolitik konzentriert: Geldpolitik war für den Staat sozusagen noch kein Begriff´).Letzten Endes bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß die monetäre Schrumpfung ein Bestandteil der „Großen Depression´ gewesen ist, dessen kontraktive Wirkung durch eine anders geartete Geldpolitik hätte gemildert oder gar vermieden werden können. Zumindest ist das eine interessante und plausible Hypothese. Es ist interessant zu spekulieren, z. B. ob eine expansivere Geldpolitik zu dieser Zeit durchführbar gewesen wäre, die eine wesentliche Wirkung auf die tatsächlich versuchten „Depressionslösungen´ - nämlich Schutzzölle und Kartellbildung - gehabt hätte.Es ist auf jeden Fall lehrreich, die tatsächlich verfolgte „Geldpolitik´ in Deutschland in den darauf folgenden Jahren zu beobachten und sie mit der amerikanischen Erfahrung auf dem Gebiet zu vergleichen. In einem gewissen Sinn scheint die deutsche Geldpolitik von der Krise der 1870er Jahre gelernt zu haben; 1885 markiert die letzte signifikante Schrumpfung des „Supergeldes´, nennenswerte Schwierigkeiten traten nur noch 1901 und (in geringerem Maße) 1907 auf, und wurden bald wieder - 1901 durch kräftige Rediskontierung bei der Reichsbank - beseitigt´). Sachliche Untergliederung der Datentabellen (im Recherche- und Downloadsystem HISTAT):A. ÜbersichtenA.1 Entwicklung der Verbraucherpreise im Deutschen Reich (1871-1913)A.2 Metallgeld- und Geldumlauf in Deutschland (1815-1913)A.3 Staatspapiergeld, Banknoten und Bankeinlagen in Deutschland (1835-1913)A.4 Geldmengenentwicklung im Deutschen Reich (1875-1913) B. Geschätzte Langzeitreihen zum Geldumlauf nach W.G. HoffmannB.1 Schätzungen zum Metallgeldumlauf in Deutschland (1876-1913)B.2 Notenumlauf der Preußischen bzw. Reichsbank als Prozent des Gesamtbanknotenumlaufs in Deutschland (1871-1913)B.3 Der Geldumlauf (1850-1913)B.4 Notenumlauf, Wertpapiere und Kasse (1851-1913) C. Zeitreihen zum Geldumlauf in Deutschland nach Richard H. TillyC.1 Zeitreihen der Geldmenge, Version I (1870-1913)C.2 Zeitreihen der Geldmenge, Version II (1870-1913)C.3 Änderungsraten der Geldmenge und anderer Variablen (1870-1913)C.4 Taxonomie der Geldmenge, Version III (1870-1913)C.5 Zusammenfassung: Geldmenge, Preise und Volkseinkommen in Deutschland (1870-1913) D. Anhang (nach Richard H. Tilly)D.1 Komponenten der Geldmenge, Version I (1870-1913) Zeitreihen sind online downloadbar über HISTAT (www.histat.gesis.org).
提供机构:
GESIS Data Archive
创建时间:
2012-01-10
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