Verzeichnis der Handschriften von Felix Fabris Tractatus de civitate Ulmensi. Vorbemerkung und tabellarische Übersicht
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https://zenodo.org/doi/10.5281/zenodo.20055446
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Der Ulmer Dominikaner Felix Fabri (1440-1502) verfasste in den Jahren zwischen 1484 und 1489 (mit Ergänzungen bis 1495) den Tractatus de civitate Ulmensi, eine Abhandlung über Ulm zwischen Stadtlob, Stadtbeschreibung und Geschichtsschreibung. Der Tractatus ist gemeinsam mit Fabris Descriptio Theutonie et Sueviae autograph in der Handschrift HS 19555-3 der Stadtbibliothek Ulm überliefert und bildet den Abschluss von Fabris Evagatorium in Sanctae Terrae, Arabiae et Aegyptiae peregrinationem, dem Bericht über seine zweite Pilgerreise ins Heilige Land 1484 (Autograph, Stadtbibliothek Ulm, HS 19555-1 und HS 19555-2).
Folker Reichert hat 2012 eine Transkription nach dem Autograph mit deutscher Übersetzung herausgegeben. Eine kritische Edition des Tractatus liegt bislang nicht vor. Die Handschrift HS 19555-3 galt lange als verschollen und konnte erst 1933 bei einer Versteigerung von der Stadtbibliothek Ulm erworben werden (vgl. Eckhart 2026). Die Edition von Gustav Veesenmeyer von 1889 (siehe auch seine Prolegomena zur handschriftlichen Überlieferung von 1870) berücksichtigt den Autograph daher nicht.
Im Autograph folgt auf die Descriptio der Tractatus mit eigenem Incipit. Er besteht, wie Fabri in der Einleitung erläutert, aus sechs Hauptstücken oder Kapiteln; ein dort genanntes 7. Hauptstück kam nicht zur Ausführung. Es existieren aber auch nur wenig jüngere Handschriften, die eine kürzere Version von Descriptio und Tractatus gemeinsam überliefern. Die Hauptstücke des Tractatus sind darin stark gekürzt und dem Autograph gegenüber in eine andere Reihenfolge gebracht. Diese kürzere Version gab Melchior Goldast 1605 in seinen Suevicarum Rerum Scriptores Aliquot Veteres heraus; er nannte sie Historia Suevorum (liber I: Descriptio, liber II: Tractatus). Goldasts Ausgabe blieb lange in Benutzung, weil die Descriptio nicht im vollen Umfang ediert worden ist. Das hat dazu geführt, dass der Tractatus teilweise als Teil der Descriptio verstanden bzw. nicht immer klar zwischen Descriptio und Tractatus unterschieden wurde (so z. B. bei Leidinger, Beebe und den Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters). Wie bereits erwähnt, berücksichtigt Veesenmeyers Edition den Autograph nicht, ebenso wenig wie Georg Leidingers wichtige Handschriftenstudien von 1888. Die Signaturen der in Ulm aufbewahrten Handschriften haben sich zudem teilweise mehrfach geändert. Aus diesen Gründen sind Angaben zur Überlieferung des Tractatus und zu den Abhängigkeitsverhältnissen der einzelnen Handschriften untereinander in der älteren Literatur nur mühsam zu durchschauen. Das Verzeichnis soll hier Abhilfe schaffen.
Es führt die derzeit bekannten Handschriften auf, die Fabris Tractatus alleine oder gemeinsam mit der Descriptio überliefern, und berücksichtigt auch Teilabschriften. Ohne einer Untersuchung der Textabhängigkeiten vorausgreifen zu wollen, wird wo möglich pragmatisch angezeigt, ob eine Handschrift dem ausführlichen Textbestand entspricht (≈ Autograph) oder dem kurzen (≈ Goldast). Eine dritte Gruppe von Handschriften überliefert nur die Teile des Tractatus, die in den kürzeren Handschriften nicht enthalten sind und bei Goldast nicht abgedruckt wurden, das heißt, das 1. und 2. Hauptstück ohne den Abschnitt Quomodo Ulma data fuit Owie magne sowie das 4. und 5. Hauptstück ohne den Abschnitt De profectu civitatis Ulmensis et quomodo dominia sua acquisit (vgl. Cml 848, G1 094, G1 206 und die Handschrift der ehemaligen Bibliothek Raymund Kraffts, zu ihr s. u.). Davon unterscheidet sich eine vierte Gruppe, die eine Bearbeitung des Tractatus (aus dem 17. Jahrhundert?) überliefert (≈ Wollaib). Die Handschriften dieser Gruppe enthalten das 4. Hauptstück über die soziale Ordnung und die wichtigsten Familien Ulms, dem einleitend eine stark gekürzte Ursprungsgeschichte und Stadtbeschreibung vorangestellt ist, sowie das 5. Hauptstück über die politische Verfasstheit der Stadt (ohne den Abschnitt De profectu civitatis Ulmensis etc.). Einige dieser Handschriften weisen ein Titelblatt auf, das Bezug auf Felix Fabri und das Evagatorium nimmt. Drei Handschriften bringen im direkten Anschluss einen Bericht über die Judenverfolgung zur Zeit des Schwarzen Todes 1348/1350 in oberdeutschen Städten, der auf Sebastian Franck verweist (gemeint ist sein Germaniae Chronicon) und ebenfalls Inhalte aus dem Tractatus aufgreift. Alle Handschriften dieser Gruppe stammen aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert, sind sich sehr ähnlich und weisen doch untereinander abweichende kleinere Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Daneben gibt es auch kürzere Teilabschriften und Fragmente.
Aufgeführt sind außerdem fünf Handschriften, die in der älteren Literatur erscheinen, ohne dass ihr heutiger Aufenthaltsort nachvollziehbar wäre. Der Herausgeber Gustav Veesenmeyer beschrieb drei Handschriften knapp, deren Verbleib ungewiss ist. Dasselbe gilt für die von Franziskus Dominikus Häberlin um die Mitte des 18. Jahrhunderts beschriebene Handschrift, die sich ehemals in der Bibliothek des Ulmer Patriziers Raymund Krafft befand, die ab 1739 stückweise verkauft wurde. Außerdem sind im Verfasserkatalog der Bibliothek des Ulmer Patriziers Erhard Schad zwei Handschriften des Tractatus verzeichnet (Stadtbibliothek Ulm, Schad 13773, fol. 122rv): Während das „M.S. vetus“ sicherlich die heute im Stadtarchiv Ulm befindliche Handschrift G1 001 bezeichnet, ist die zweite Handschrift aufgrund der knappen Angaben nicht mehr greifbar.
Nicht aufgenommen habe ich die Handschrift der Bayerischen Staatsbibliothek München, Cmg 3089, auf die Kathryne Beebe als mögliche deutsche Übersetzung des Tractatus hinweist. Den knappen Angaben bei Schmeller zufolge scheint diese Handschrift eher auf Sebastian Francks Bearbeitung des Tractatus im Germaniae Chronicon zu basieren und könnte den Handschriften G1 027, 028, 031 und 032 des Stadtarchivs Ulm ähneln. Ebenso wenig aufgenommen ist die Handschrift G1 042 des Ulmer Stadtarchivs. Sie besteht aus zwei voneinander unabhängigen kodikologischen Einheiten, bei denen es sich aber nicht um Abschriften, sondern um Auszüge handelt: Teil 1 enthält auf fol. 1r-28v Exzerpte aus dem 4. Hauptstück, Abschnitte über Ulmer Patrizierfamilien mit genealogischen Zusätzen; Teil 2 auf fol. 29r-40v Exzerpte aus dem 1. bis 4. Hauptstück, annotiert von der Schreiberhand, sowie in anderer Tinte deutsche und lateinische Korrekturen und Anmerkungen, die auf die ersten drei Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts Bezug nehmen.
Da die letzten Zusammenstellungen von Jacob Klingner bzw. Kathryne Beebe inzwischen veraltete Signaturen für die Ulmer Handschriften verwenden, erschien es sinnvoll, alle bekannten Altsignaturen und die in der älteren Literatur verwendeten Bezeichnungen und Siglen aufzunehmen. Sofern vorhanden wird auf Findbücher, Handschriftenbeschreibungen und Digitalisate verlinkt.
Ich danke Mareikje Mariak (Stadtarchiv Ulm) für den freien Zugang zu den Ulmer Chronikhandschriften am Weinhof, außerdem Zita Grócz (Főszékesegyházi Könyvtár Kalocsa) und Isabel von Bredow-Klaus (BSB München) für ihre freundliche Unterstützung.
Alle Links wurden am 22. Januar 2026 geprüft.
Literatur
Art. Descriptio Theutoniae, Sueviae et civitatis Ulmensis, in: Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters, online unter: https://geschichtsquellen.de/werk/2244 (Bearbeitungsstand: 05.12.2024).
Beebe, Kathryne: Pilgrim and Preacher. The Audiences and Observant Spirituality of Friar Felix Fabri (1437/8-1502), Oxford 2014, hier bes. 76-78 und 229-231.
Eckhart, Pia: NS-Raubgut in der Bibliothek?, NS-Raubgut in der Bibliothek?, in: Ulm 1516. Bibliotheksgeschichte, Historischer Bestand und Kulturguterhalt in der Stadtbibliothek Ulm (02. Januar 2026), DOI 10.58079/15flb.
Goldast, Melchior: Suevicarum Rerum Scriptores Aliquot Veteres: Partim Primum Editi, partim emendatius atq. auctius, In quibus Suevorum Origo, Migratio, Regna, Principes, bella, foedera, religiones, monasteria, Civitates, Comitatus ... memoriae mandantur ... Frankfurt am Main: Wolfgang Richter, 1605, VD17 23:237314E.
Graf, Klaus: Ulmer Geschichtsschreibung im späten Mittelalter, in: Archivalia, (21. August 2005 mit Ergänzungen von 2012-2021), DOI: 10.58079/c1i4 [Zugriff 2026-03-03].
Häberlin, Franziskus Dominikus: Notitia codicum manuscriptorum splendidissimae bibliothecae Raymundo Krafftianae … Ulm: Wagner 1739.
Häberlin, Franziskus Dominikus: Dissertatio historica sistens vitam itinera et scripta fr. Felicis Fabri monachi praedicatorii conventvs Vlmani ad illustrandam historiam patriam … Göttingen: Schulz, 1742.
Halm, Karl Felix / Laubmann, Georg von / Meyer, Wilhelm: Catalogus codicum latinorum Bibliothecae Regiae Monacensis. 2,3, Codices num. 15121-21313 complectens, München 1878 [Nachdruck 1969]. Digitalisat: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00008254?page=1
Klingner, Jacob: Überlieferung und Edition der Werke Felix Fabris, in: Reichert, Folker / Rosenstock, Alexander / (Hg.): Die Welt des Felix Fabri (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Ulm 25), Weißenhorn 2018, 263-272.
Leidinger, Georg: Eine bisher unbekannte Hs. von Felix Fabri’s Descriptio Theutoniae, Sueviae et civitatis Ulmensis, in: Neues Archiv der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtskunde 23 (1898), 248-259. Digitalisat: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11864096?page=260,261
Pertz, Georg Heinrich: Nachträgliche Bemerkungen über Handschriften Österreichischer Stifter, in: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 6 (1838), 182-199.
Reichert, Folker: Felix Fabri O. P. – Tractatus de civitate Ulmensi. Traktat über die Stadt Ulm (Bibliotheca suevica 35), Konstanz 2012.
Schmeller, Johann Andreas / Halm, Karl: Die deutschen Handschriften der K. Hof- und Staatsbibliothek zu München, nach J. A. Schmellers kürzerem Verzeichnis, Bd. 1, München, 1866. Digitalisat: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00008214?page=1
Veesenmeyer, Gustav (Hg.): Fratris Felicis Fabri Tractatus de civitate Ulmensi, de eius origine, ordine, regimine, de civibus eius et statu, (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart 186), Tübingen 1889. Digitalisat: http://www.literature.at/alo?objid=12966
Veesenmeyer, Gustav: Des Frater Felix Fabri Tractatus de civitate Ulmensi. Prolegomena zu einer neuen Ausgabe derselben, in: Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben N.R. 2 (1870), S. 29-40.
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Zenodo
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2026-05-06



