Eine Gender-Analyse von Fotografie-Historiografien am Beispiel zweier Berufsfotografinnen in Wien (1860–1914)
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资源简介:
Warum finden Geschäftsfotografinnen, die einst gefragte Spezialistinnen waren, in Fotografiegeschichten keine Erwähnung? Von Anfang an waren Frauen in der angewandten Fotografie aktiv. Deren Ausübung galt bis ins beginnende 20. Jahrhundert als freies Gewerbe, für das es keine Zugangsbeschränkungen gab. Dies kam Frauen ebenso entgegen wie die Tatsache, dass bis kurz vor der Jahrhundertwende keine staatlich geregelte fotografische Fachausbildung existierte – schlossen doch Bildungsinstitutionen weibliche Interessierte anfänglich meist aus. Im Zuge einer Analyse von Fotografie-Historiografien und deren Epistemologien schildere ich die Problematik einer mangelnden Rezeption früher Fotografinnen. Fotografierende Frauen sind im 19. Jahrhundert weitgehend ›unsichtbar‹, weshalb es eines Wissens um die Gründe ihrer Ausblendung bedarf. Im Zentrum der Arbeit stehen zwei Fallstudien zu Wiener Berufsfotografinnen, die eine bedeutende (Allein-)Stellung hatten, jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Meine historische Untersuchung konzentriert sich auf die Hauptstadt der Monarchie, sie setzt zeitlich um 1860 an, als sich das Fotogewerbe herauszubilden beginnt, und endet mit dem Ersten Weltkrieg als epochaler Zäsur. In der ersten Fallstudie betrachte ich die Position der jüdischen Hoffotografin Adele Perlmutter erstmals aus einer differenzierten, intersektionalen Perspektive. Mit ihrem »Atelier Adèle« spezialisierte sie sich in den 1860er-Jahren auf theatrale Inszenierungen und auf das Nachstellen lebender Bilder. Ihr Studio galt als erste Adresse für den alten habsburgischen Adel ebenso wie für das aufstrebende jüdische Großbürgertum. Ihre Kostümporträts spiegeln so gesehen die soziale Dynamik der Ringstraßenära wider. Die zweite case study rückt die bislang völlig unbekannte Marianne Strobl in den Blick. Sie war sichtlich die Erste, die ab den 1890er-Jahren in Österreich-Ungarn Industriefotografie in großem Maßstab betrieb. Dieses Genre, in dem großteils klassische ›Männerräume‹ aufgesucht und festgehalten wurden, ist in der Tat höchst außergewöhnlich für eine Frau. Bislang ist international kein vergleichbares Beispiel bekannt, sodass ich mit meiner Studie Neuland betrete. Mein Vorhaben ist im Bereich der Kunst- und Kulturwissenschaften situiert, mit Schwerpunkt auf Fotografie- und Mediengeschichte. Es greift wesentlich auf die Erkenntnisse der Gender Studies zurück, daneben werden auch sozial- und wirtschaftshistorische Aspekte berührt. Ziel meiner mikrohistorischen Untersuchung ist eine realistische Einschätzung des Wirkens früher Fotografinnen. Durch meine methodenkritische Positionierung gegenüber bestehenden Fotografie-Historiografen hat die Arbeit über eine lokalhistorische Studie hinaus Relevanz, meine Ergebnisse sollen ähnliche Untersuchungen für vergleichbare Städte anregen.
提供机构:
Akademie der bildenden Künste Wien
创建时间:
2019-07-31



