SELODY - Studie zu Sehbehinderung und Partnerschaft: Auswirkungen einer Sehbeeinträchtigung auf die Partnerschaft und partnerschaftliche Ressourcen zu deren Bewältigung
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https://www.zora.uzh.ch/handle/20.500.14742/199939
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Zweck: Der vorliegende Bericht beschreibt den Ablauf sowie die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Studie «Auswirkungen einer Sehbeeinträchtigung auf die Partnerschaft und partnerschaftliche Ressourcen zu deren Bewältigung», welche im Rahmen des SELODY-Projekts (Sensory Loss in the Dyadic Context) entstand. Hintergrund: Sehbeeinträchtigungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Einschränkungen weltweit und viele Betroffene erfahren erst im Laufe des Erwachsenenalters zunehmende Einschränkungen des Sehens. Das Einsetzen eines Sehverlusts kann daher als kritisches Lebensereignis verstanden werden, das bedeutsame Anpassungsleistungen erfordert. Die psychosozialen Folgen einer Sehbeeinträchtigung betreffen aber nicht nur das Individuum, sondern immer auch dessen soziales Umfeld. Die psychosoziale Forschung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat in den letzten Jahrzehnten vielfach aufgezeigt, dass insbesondere Lebenspartner*innen stark mitbetroffen sind von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung wie einer Sehbeeinträchtigung. Auch die Partnerschaft wird durch zahlreiche Veränderungen herausgefordert. Die Sehbeeinträchtigung ist also in vielerlei Hinsicht eine gemeinsame Herausforderung für das Paar. Studienziele: Bisher gibt es nur sehr wenig Forschung zu Sehbehinderung und Partnerschaft. In der vorliegenden Studie sollte daher dieser Themenkomplex genauer untersucht werden. Der Fokus lag dabei auf Belastungen für die Partnerschaft sowie auf Ressourcen aus der und für die Partnerschaft, welche in Zusammenhang mit der Sehbeeinträchtigung eines Partners besonders zentral sind. Untersucht wurden Paare in der Schweiz und dem angrenzenden Ausland, in deren Beziehung eine Person eine Seh- oder Hörsehbeeinträchtigung aufwies. Aufbau und Ablauf: Die Studie umfasste die quantitative Hauptbefragung, die zweimalig im Abstand von einem Jahr durchgeführt wurde, sowie eine Vertiefungsstudie mit standardisierten videografierten Paargesprächen. An der ersten Hauptbefragung nahmen 112 Personen mit einer Sehbeeinträchtigung sowie 107 Lebenspartner*innen teil. An der zweiten Hauptbefragung nahmen noch 94 Personen mit einer Sehbeeinträchtigung und 93 Partner*innen teil. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 59 Jahren und die Paare waren seit durchschnittlich 30 Jahren zusammen. Der Beginn der Sehbeeinträchtigung lag bei zwei Dritteln der Teilnehmenden zehn oder mehr Jahre zurück. An der Vertiefungsstudie nahmen 24 Paare teil. Ergebnisse: In der Schilderung der Teilnehmenden führte die Sehbeeinträchtigung zu einer Verbindungsnotwendigkeit in der Partnerschaft: Die Partner mussten enger zusammenarbeiten, was als ambivalent beschreiben wurde. Zu den zentralsten Belastungen für die Partnerschaft bei einer Sehbeeinträchtigung zählten eine erhöhte Anstrengung bei der Alltagsbewältigung, der Umgang mit negativen Emotionen beider Partner*innen, die Veränderung von Rollen und Verantwortlichkeiten sowie Einschränkungen bei Paaraktivitäten. Ausserdem erwies sich eine Sehbeeinträchtigung als Risiko für unausgeglichene Unterstützungsleistungen im Paar, weil Betroffene ihre Partner*innen nur bedingt entlasten können bei bestimmten Aufgaben. Trotz vieler Herausforderungen waren sowohl das individuelle Befinden der Teilnehmenden wie auch deren Beziehungszufriedenheit unauffällig und unterschieden sich kaum von Paaren aus der Allgemeinbevölkerung. Mögliche Ressourcen zur Bewältigung einer Sehbeeinträchtigung in der Partnerschaft umfassten den offenen Austausch über die Sehbeeinträchtigung und ihre Folgen sowie den individuellen Unterstützungsbedarf beider Personen, die partnerschaftliche Unterstützung und insbesondere die gemeinsame Stressbewältigung, sowie die Akzeptanz der Sehbeeinträchtigung und deren Einschätzung als gemeinsame Herausforderung. Für einen schnellen Überblick werden die zentralen Erkenntnisse der vorliegenden Studie im SELODY-Modell in Kapitel 11.1 grafisch aufbereitet. Schlussfolgerungen: Eine Sehbeeinträchtigung führt zu einer gemeinsamen Betroffenheit innerhalb der Partnerschaft, weshalb es zentral ist, dass die Partnerschaft sowohl von Fachpersonen wie auch von den Paaren selbst genügend Aufmerksamkeit erhält im Prozess der Bewältigung und Anpassung. Für Paare ist es insbesondere wichtig, sich den Veränderungen und Herausforderungen proaktiv und gemeinsam zu stellen, sich regelmässig auszutauschen und ein neues Miteinander auszuhandeln. Für Fachpersonen ist es wichtig, Lebenspartner*innen in die Beratung einzubeziehen, den Auswirkungen auf die Partnerschaft Raum zu geben und Paare darin zu unterstützen, ihren Alltag und ihre Gewohnheiten den Veränderungen durch die Sehbeeinträchtigung anzupassen. All dies kann dazu beitragen, der Sehbeeinträchtigung als «dyadischer Erfahrung» gerecht zu werden.
提供机构:
Psychologisches Institut der Universität Zürich Klinische Psychologie Kinder/Jugendliche & Paare/Familien
创建时间:
2022-11-30



